8er klettern: Acht gute Ideen auf dem Weg zur 7a

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Der magische Übertritt in die schillernde Dimension des 8. Grades (oder auch 7a) ist für viele die erste wirklich große Hürde auf dem Weg zum Besten der eigenen Möglichkeiten.

Super, dass du es schon bis hierher geschafft hast. Du hast wahrscheinlich schon viel Zeit, Mut und Anstrengung in das gesteckt, was du erreicht hast und bist bereit mehr zu geben? Gute Arbeit, super gemacht und lass uns loslegen! Und es gibt viel zu tun!

Hier ist der Wendepunkt von reinem Spaß zu noch so viel mehr, dass du schaffen kannst. Denn: Je mehr Arbeit du reinsteckst, desto mehr Belohnung kriegst du zurück.

8er klettern

Peter kämpft hart um seine erste 8+ an der Burg Rabenstein, Frankenjura

 

In diesem Artikel findest du ein paar Tipp´s und hilfreiche Verhaltensweisen auf dem Weg in den 8. Grad.

Es handelt sich nicht um eine vollständige Liste, als viel mehr um gute Ideen und bewährte Verhaltensweisen. Alles was du heute lernst oder auch schon weißt, trägt dich nicht nur in den achten Grad, sondern du baust dir auch schonmal die Basis für den Aufstieg in die schwindeligeren Höhen der UIAA-Skala.

Wahrscheinlich hast du an dieser Stelle einen detaillierten Trainingsplan erwartet oder dir vielleicht sogar gewünscht. Ich glaube, ich könnte sogar ein paar Trainingspläne „für deinen 7a Erfolg!“ hier verkaufen. Hänge dich so und solange an´s Fingerbrett und pumpe deine Arme im Überhang 7x in 30 Minuten auf bis sie nachgeben… Leider oder vielleicht auch wunderbarerweise ist Klettern im gehobenen Schwierigkeitsmillieu nicht gleichbedeutend mit den Leistungen an Hangboard und Campusboard.

Wie du schwerer klettern kannst? Üben an Fels und Plastik, aber Hauptsache klettern.

Zusätzliches isoliertes Fingerkraft und Bizepstraining sind hilfreiche Tools für richtig schwere Routen, aber unbedeutend um den 8. oder auch 9. Grad zu erreichen. Schade oder?

 

Hier also 8 Tipp´s für den Weg zum 8er klettern und noch viel weiter:

 

  1. Die Masse machts! Mindestens 8 oder gerne mehr Routen am Klettertag klettern. Jedes durchbouldern, Toprope, Nachstieg und oben rausgeplatzt zählt als eine Route.

Fange am besten damit an deine Aufwärmroute gleich nochmal im Toprope zu machen, bevor du dich ausbindest und so weiter… Indoor gilt das selbe. Wie viele Routen kletterst du normalerweise an einem Tag? Wenn es durchschnittlich 4 sind, dann lernst du jetzt doppelt so schnell!

 

  1. Bouldern ist geil! Zusammen mit Freunden in der Halle deines Vertrauens, in Fontainebleau oder am Wandfuß… Egal.

Lerne neue Bewegungen, gehe aus deiner Komfortzone, habe Spaß und entwickle schonmal auf Absprunghöhe die Kraft und Fähigkeiten für schwere Routen. Hier geht´s zur ultimativen Einführung zum Thema Bouldern.

Fleißübung? Mache in der Boulderhalle nach jedem Umschrauben einer Farbe, die du beherrschst immer alle neuen Boulder. Das ist viel besser als zwei zum Aufwärmen und dann noch 3-4 zu schwere Probleme zu begrabbeln bis du frustriert nach Hause gehst.

Gerne kannst du für mehr Trainingsfeeling auch schon fokussiertere Formate wie Continuous Intensity Repetitions machen.

 

  1. Stürzen. Befasse dich mit dem Thema Stürzen. Für die allermeisten ist Sturzangst ein limitierender Faktor unabhängig davon, ob das Ziel 6er, 7er oder 8er klettern lautet.

Für mich auch.

Und sei es auch nur beim Onsightklettern oder im Überhang. Jetzt ist der Zeitpunkt das Thema aggressiv anzugehen. Darüber, wie man stürzen lernen kann gibt es verschiedene Bücher und Ideen. Hier zwei gute Lektüren für jeden Kletterer, die auch noch weit über das Thema Sturzangst hinausgehen:

Stürzen lernen? Stürzen als Belohnung! Gönn dir Victory Jumps anstatt den Umlenker zu clippen (wenn sicher möglich).

Im Video siehst du einen ~30m Victory Jump von Ethan Pringle nach dem Durchstieg von Jumbo Love >>

 

4. Dynamisches klettern. Erfahre was möglich ist, wenn du die Kontrolle ein Stück weit loslässt. Viele Züge sind dynamisch besser gelöst, weil sie weniger Kraft und Zeit kosten.

Um dir bei der Bewältigung der weiteren Züge im dynamischen Klettererlebnisraum zu helfen, wartet der Artikel „Weite Züge dynamisch klettern“ schon hier auf dem Blog auf dich.

Hast du Probleme bei der Dynamik? Dann lies ihn aufmerksam durch und beobachte andere Kletterer um zu lernen.

 

5. Ziele setzen. Ein neuer Grad ist die Spitze deiner Pyramide. Ohne Basis keine Spitze. Plane dir eine Jahrespyramide und arbeite dich von unten nach oben. Das könnte z. B. so aussehen:

Pyramide klettern achter grad

6. Beta merken. Fange an dir die Lösungen für schwere Routen zu merken, damit du keine Zeit beim Durchstieg verlierst. Beginne mit der Grifffolge und merke dir zusätzlich an den schwierigen Passagen deine optimalen Tritte. Ohne Beta merken geht´s nicht mehr weiter.

 

7. Und der vielleicht wichtigste Punkt: Unvoreingenommen an die Sache rangehen. „Das ist überhängend. Das kann ich nicht. Der Hakenabstand ist zu weit. Da sind Sloper…“ So wirst du nie irgendetwas außerhalb deiner schrumpfenden Komfortzone durchziehen und hast schon versagt bevor du es überhaupt versucht hast. Schade.

Probiere alles und lerne alles zu probieren. Von Reibungsplatte bis Volldach. Es ist normal, dass dir manches schwerer fällt oder du dich fürchtest. Du hast sicher genaue Vorstellungen aus deiner frühkletterlichen Erziehung mitgenommen, was richtig ist, was du darfst und was du alles nicht kannst.

Vergiss es! Probieren geht über studieren und wenn deine Kletterpartner dich zurückhalten, ist es vielleicht Zeit dich nach zusätzlichen oder neuen Partner umzusehen.

8er Grad klettern

Urlaubsstimmung in Fontainebleau beim Lagerfeuer

8. Vielfalt. Setze dich der größtmöglichen Vielfalt an Zügen, Neigungen, Griffen, Geisteinsarten und Umfeldern aus.

Wechsle Hallen durch.

Fahre im Urlaub z. B. in´s Zillertal zum Granitklettern* oder teste den verlockenden Vulkanstein auf Teneriffa. Sizilianischer Kalk* unterscheidet sich massiv von fränkischem Karst und so weiter…

Du merkst: Diesen Tipp umzusetzen macht viel Spaß und verspricht auch kulinarische und kulturelle Höhepunkte fernab von Tiefkühl-Boulderhallenpizza.

Auf dem sehr schönen Blog von Ulligunde gibt es auch einen ähnlichen Artikel aus ihrer Sicht. Sehr interessant zu lesen.

Was hat dir geholfen in den 8. Grad zu kommen? Fällt dir noch etwas wichtiges ein? Und hast du noch genauere Fragen? Schreibe gerne einen Kommentar.

4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Hallo Andi, vielen Dankf ür die tolle Zusammenfassung. Was mir dazu noch einfällt – “es wirklich selber wollen” – denn nur dann gibt es auch längerfristig die nötige Disziplin, um die anderen Punkte durchzuhalten. Und wenn der Knackpunkt der Kopf ist, dann kann mentales Training Wunder wirken.

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Hilfreich ist sicher auch noch sich als erste 7a eine Route auszusuchen, die dem eigenen Kletterstil entgegen kommt. Manche mögen lieber kräftige Routen, oder solche die an und für sich einfach sind, aber dafür eine schwere Boulder Stelle haben, während andere technische Routen oder Platten bevorzugen. Projektieren einer Route an seiner eigenen Leistungsgrenze macht definitiv mehr Spaß, wenn absehbar ist, dass man das Ding irgendwann mal durchsteigen wird 🙂

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Hallo. Vielen Dank für den umfassenden Artikel.Ich mag Deine Webseite!

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Bei mir hat das so geklappt: zwei bis dreimal die Woche klettern gehen – und jedes(!) Mal raus aus dem Komfortzone; Sachen klettern, die einem nicht liegen, mehr Vorstieg als Toprope (auch und grade an der vermeintlichen Leistungsgrenze).

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