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Boulderzubehör: Welche Ausrüstung du zum Bouldern brauchst

In meiner ersten Marketingvorlesung erzählte uns der Professor, wie unterschiedlich Männer und Frauen mit dem Joggen anfangen. Die Herren fachsimpeln in der Schuhabteilung über Dämpfung und andere technische Details der Treter und die Damen kombinieren sich durch die aktuellen Kollektionen von Nike und Co. Als ich darüber nachgedacht habe, was ich in diesen Artikel packe, ist mir diese Geschichte mit einem Grinsen wieder eingefallen.

Bouldern ist Trendsport und die Geschichte lässt sich analog aufs Bouldern und Klettern übertragen. Daher erkläre ich in diesem Artikel, worauf es bei der richtigen Ausrüstung zum Bouldern wirklich ankommt. Tipp vorab: Die Klamotten sind nicht so wichtig, aber Schuhe werden auch überschätzt.

Beim Bouldern braucht man zum Glück fast keine Ausrüstung

(Diese Bild wird uns mit freundlicher Genehmigung von Erbse zur Verfügung gestellt)

Ich liebe Bouldern! Ein so toller, aufregender Sport und man hat so viel zu lernen und es warten immer neue kleine und große Erfolge. Die Ausrüstung ist beim Bouldern nicht das wichtigste, aber das passende Zubehör hilft doch ganz beachtlich sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können: Spaß beim Bouldern.

Wirklich brauchen tust du nichts, aber einiges ist Standard und so manches „nice to have“.

 

Die Basics: Boulderschuhe, Chalkbag und Bürste

Die Basics des Bolderzubehörs sind Kletterschuhe, Chalk und ein Bürste. Für das Bouldern in der Halle ist das alles, was du brauchst.

Welche Kletterschuhe?

Kletterschuhe und Boulderschuhe sind das selbe. Es gibt im eigentlichen Sinne keine spezialisierten Boulderschuhe, weil die Anforderungen an die Schuhe im modernen Sportklettern gleich denen im Bouldern sind. Der Begriff Boulderschuh entstammt ursprünglich den Federn der Marketingtexter der Kletterschuhhersteller. Dabei wird und wurde regelmäßig ein besonders aggressives Modell als Boulderschuh oder Boulderwaffe bezeichnet.

Wahrscheinlich alle kommerziellen Boulderhallen verleihen Kletterschuhe. Für die ersten Male Bouderspaß ist es am sinnvollsten dieses Angebot zu nutzen. Es ist Quatsch schon vorher Geld für Kletterschuhe im Laden oder online zu investieren, da man erst am eigenen Fuß lernen muss, worauf es ankommt. Wenn man dann etwas Erfahrung gesammelt hat, kann man sich das erste eigene Paar kaufen. Aber worauf kommt es an?

Ja, die Schuhe müssen eng sein und die Zehen aufgestellt. Es ist nicht im Sinne der Sache die Schuhe für die zwei Stunden in der Boulderhalle anzubehalten und darin umherzulaufen. Alle paar Minuten braucht man eine Pause, setzt sich auf die Matte und zieht dabei die Schuhe aus.

Kletter massiert Füße

Bedeutet das, die Schuhe müssen weh tun? Es ist wichtig zu differenzieren zwischen Schmerz und Druck. Die Schuhe sollen sich anfühlen, wie ein zu enger Socken. Der Fuß wird rundum eingespannt damit man die maximale Kraft auf die Spitze um den großen Zehen bekommt. Denn die Spitze ist der Kontaktpunkt zu den Tritten an der Wand. Punktueller Schmerz an einem Zeh oder der Ferse ist ein Zeichen dafür, dass der Schuh nicht zum Fuß passt. Jeder Mensch hat andere Füße und am besten probierst du im Laden alle an.

Es wird auch so sein, dass dir dein erstes Paar sehr eng und krass vorkommt. Beim zweiten und dritten hast du wahrscheinlich schon ganz andere Ansprüche und lächelst über deine bequemen Anfangstreter. Generell kann man mit jedem Schuh fast alles bouldern. Das Thema wird heute überschätzt, wenn man in Gedanken 25 Jahre zurückgeht und überlegt, was damals schon gebouldert und geklettert wurde in etwas besseren Turnschuhen.

Der Schuh darf nicht weh tun, sodass Bouldern wirklich Spaß macht. Alles andere macht keinen Sinn, außer der Schuh dreht sich beim Stehen um deinen Fuß. Dann ist er vielleicht doch zu groß…

Chalk, Kreide und Chalkbags

Chalk ist das weiße Pulver, dass du in der Halle und am Fels an den Griffen siehst (und zur Rush Hour in der Halle auch grammweise einatmest). Es handelt sich nicht um Kreide, wie der Name vermuten lässt, sondern um verbranntes Magnesium. Die Aufgabe von Chalk (Magnesiumcarbonat) beim Bouldern, sowie auch im Turnen ist das Aufsaugen des Handschweißes. Dadurch wird die Reibung an den Griffen besser.

Das lose Chalk in Pulver- oder Blockform wird in Tüten oder Dosen verkauft und klassischerweise im Chalkbag aufbewahrt. Beim weißen Zauberpulver hat jeder seinen eigenen Favoriten von der billigsten Variante bis zum Premiumchalk für horrende Preise je Minitüte. Es ist überall ungefähr dasselbe drin. Außerdem gibt es noch Liquid Chalk. Dabei handelt es sich um Chalk aufgelöst in Alkohol. Dieses verteilt man auf den Händen, der Alkohol verflüchtigt sich geruchswirksam und es bleibt eine dicke Schicht Chalk zurück, die die Finger länger trocken hält. Der Alkohol greift allerdings die Haut an, sodass es sich eigentlich nur für schwere Durchstiege lohnt, bei denen man nicht nachchalken kann. Nach ein paar Runden Liquid Chalk tut die Haut genug weh um die Bouldersession zu beenden.

Bei den Chalkbags gibt es wiederum hunderte neue Modelle jede Saison in allen Farben, Formen und Größen. Alle verfügen über einen großen verschließbaren Raum für das Aufbewahren des Chalks und eine Bürstenhalterung plus eventuell weitere Features. Bei der Wahl des Chalkbags kann man sich im Boulderzubehör modisch abgrenzen, wenn man möchte. Allerdings gibt es zwei Arten von Kreidesäcken, die man unterscheiden kann. Chalkbags zum Umhängen bzw. an den Gurt klippen vorwiegend zum Klettern und spezielle Chalkbags zum Bouldern, die aufrecht auf dem Boden stehen und mehr Platz für Chalk und Bürsten bieten. Die Umhängechalkbags tun es beim Bouldern genauso gut und man sieht sie eigentlich öfter als die großen selbststehenden Brüder. Viele Sportler sind auch im Klettern und Bouldern gleichzeitig aktiv, sodass sich die klassische Umhängevariante für beide Disziplinen anbietet.

Boulderbürste – besser für die Reibung

Mit der Zeit wird das Chalk für Viele auch zum Nervenberuhiger in stressigen Situationen. Das erkennt man daran, dass jemand übermäßig oft Chalk auf den Händen verteilt. Sobald das Pulver aber nicht mehr nur Schweiß auffangen soll, sondern zu einer Schicht auf Händen und Griffen wird, verschlechtert sich die Reibung wieder. Und dieses zu viel an Chalk verschlechtert die Chancen für den nächsten Aspiranten. Jetzt kommt die Bürste zum Zug.

Früher hat man zum Griffe putzen (übermäßiges Chalk entfernen) wirklich alte Zahnbürsten benutzt. Inzwischen gibt es unzählige Modelle verschiedener Hersteller, die speziell zum Bouldern und Klettern gemacht sind. Man sollte allerdings nicht zu viel Geld investieren, da sie sich schnell abnutzen und ständig irgendwo verloren gehen. Aus Meeresschutz- und Stabilitätsgründen würde ich zu Holzbürsten raten anstelle von Plastik.

 

Bouldern am Fels: Crashpads, Bouldermatten und Starterpads

Crashpads oder hier auch Bouldermatten genannt, kamen irgendwann in den 90er Jahren auf und haben seitdem unzählige Knochenbrüche verhindert und relaxte Bouldersessions auf weichem Untergrund ermöglicht. Ihre Aufgabe ist es Stürze beim Bouldern in der Natur abzusichern.

Ein Crashpad ist eine tragbare Matte aus mehreren unterschiedlich dicken Schaumschichten übereinander. Es gibt sie in unterschiedlicher Größe und Dicke in den allermeisten Fällen mit einem rucksackähnlichen Tragesystem. Sie werden außerdem auch gerne als Sofas am Fels und Isomatte auf Bouldertrips genutzt.

Es gibt sie in der Variante zum Zuklappen (Taco) oder zum Einrollen (Burrito). Der Vorteil bei der Burrito Bouldermatte liegt darin, dass man nicht auf der Falz landen und umknicken kann. Allerdings sind diese sperriger in Transport und Lagerung.

benni bouldert mit der perfekten ausrüstung.

Desto höher man bouldert, desto dicker sollte die Matte sein. Besonders starke und große Matten werden auch als Highballpad´s bezeichnet. Highballs sind sehr hohe Boulder, die die Boulderdefinition „Klettern in Absprunghöhe“ ausreizen.

Zudem gibt es kleine und sehr dünne Bouldermatten, die man Starterpad´s* nennt. Diese lassen sich gut zur zusätzlichen Absicherung von Steinen oder Baumstümpfen nutzen, auf die man wahrscheinlich nicht fällt. So kann die dicke Matte den wahrscheinlichen Sturzbereich absichern. Außerdem sind Starterpads super um niedrige Sitzstarts abzusichern, sodass die eigentliche Matte wiederum weiterhinten die höheren Stürze auffängt. Und darüber hinaus muss man damit nicht auf dem oft nassen Boden sitzen.

Hier ein paar beliebte Modelle von Highball- bis Starterpad:

Die meisten Boulderer besitzen jeweils nur ein Crashpad, da diese nicht ganz billig sind. Daher bouldert es sich am besten und spaßigsten in Gruppen mit mehreren Pads.

Jetzt haben wir die Basiscs des Boulderzubehör abgedeckt und kommen in den Bereich der zusätzlichen und nützlichen Ausrüstung beim Bouldern.

 

Die richtige Kleidung zum Bouldern

Bouldern ist ein bewegungsintensiver Sport. Du möchtest deine Beine soweit, wie nötig hochziehen können um hohe Tritt zu erreichen und bei ausladenden Bewegungen dein Hemd nicht zerreißen. Das bedeutet Jogginghose und T-Shirt sind perfekt.

Allerdings gibt es inzwischen mehrere Modelabel, die sich auf den Kletter- und Boulderbereich spezialisiert haben, wie E9, Kraxl oder Jung. Darüber hinaus präsentieren wohl inzwischen alle Hersteller im Bereich Kletterausrüstung und Boulderzubehör ihre eigenen Bekleidungskollektionen pünktlich zu Frühjahr und Herbst. Es gibt Boulderhosen für Herren, Damen, Kinder und Unisex.

Eine eigene Boulderhose macht durchaus Sinn, da die Teile viel aushalten müssen:

  • Abrieb an der Wand,
  • Chalk,
  • häufiges Waschen
  • etc.

Das möchte man seinen übrigen Klamotten nicht zumuten. Außerdem sehen viele Boulder- und Kletterhosen einfach sehr gut aus und sind darüber hinaus noch unglaublich bequem.

Hier findest du eine Riesenauswahl an stylischen Boulderhosen bei den Bergfreunden.* >>

 

Noch mehr nützliches Boulderzubehör

Es hört und hört nicht auf.. Jaja. Bouldern ist so einfach, weil man überhaupt nichts dazu braucht. So die landläufige Meinung. Die folgenden Dinge sind jetzt aber wirklich nicht mehr notwendig, aber sehr praktisch.

Was für davor: Aufwärmen vor dem Bouldern

Vor dem Bouldern nutzen viele Sportler ein Theraband und oder eine Therabar zum spezifischen Aufwärmen der Muskeln. Oft kann man diese auch in der Boulderhalle kaufen oder ausleihen.

Klettertape & Bouldertape

Klettertape ist genau dasselbe, wie Bouldertape = Leukoplast oder ähnlich. Es wird genutzt um gerissene Hautstellen abzutapen, damit man weiterbouldern kann. Dazu gehört allerdings einiges an Wille und Schmerztoleranz. Im ambitionierten Bereich ist es durchaus üblich und man sieht Athleten mit mehreren getapten Fingerspitzen. Darüber hinaus werden spezielle Anbringungen des Tapes genutzt zur Behandlung und Vorbeugung von Ringbandverletzungen (Stichwort: ISA Tape). Es gibt Bouldertape von verschiedenen Anbietern, jedoch ist weißes Leukotape aus der Apotheke mindestens genauso gut.

Was für danach

Nach jeder richtig guten Bouldersession ist die Haut wund und schmerzempfindlich. Damit geht jeder anders um. Viele schwören auf verschiedene Handcremes und Manche glauben, dass mache die Haut weicher und halten den Schmerz einfach aus.

Für durchgekletterte Fingerspitzen und verletzte Haut gibt es viele speziell entwickelte Salben um diese schnell wieder einsatzbereit zu bekommen. Sie sind sehr beliebt und Kletterer und Boulderer behandeln damit alles von eingerissenen Mundwinkeln bis hin zu Verbrennungen vom Lagerfeuer.

Climb On!* gehört hier zu den absolut beliebtesten Herstellern von Lip Balm bis Handcreme.

Wir sind jetzt schlussletzlichst am Ende angelangt. Ahja warte, es gibt doch auch noch Trainingsequipment. Also…
Ne, das heben wir uns jetzt erstmal für einen anderen Artikel auf.

Das wichtigste beim Bouldern, dass man nicht kaufen kann ist die Freude an der Sache. Die großen Gefühle, wie die Nervosität vor dem Versuch, die kribbelnde Angst im Bauch und dann der erlösende Erfolg, wenn man oben steht. Der Wettbewerb und die Freundschaft, wenn man zusammen am Fels und in der Halle anreißt sind etwas ganz besonderes. Ich wünsche dir super viel Spaß!

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