Weite Züge dynamisch klettern – 3 Tipp´s für erfolgreiche Deadpoints

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In diesem Artikel stelle ich drei einfache Tipp´s vor, die mir geholfen haben Deadpoints von etwas Gruseligem zu einer meiner absoluten Stärken zu verwandeln. Vor einigen Tagen musste ich mich wieder daran erinnern um die Route „Civil Disobedience“ im Frankenjura zu klettern. Im Video seht ihr dann die Deadpoint-Tipp´s in Aktion.

deadpoint

Andi bereitet sich auf den Cruxzug in Cannon Fodder 24, Dam Cliffs, Blue Mountains vor

 

Deadpoints und Dynos unter der Lupe

Ich unterscheide zum besseren Verständnis zwischen Deadpoint und Dyno/Dynamo. Unter Deadpoint versteht man einen Zug bei dem man im toten Punkt der Bewegung zugreift. Meistens ist dies notwendig, wenn ein Griff nicht statisch erreicht werden kann.

Der tote Punkt (Deadpoint) ist der magische Zeitpunkt an dem Zeit und Welt still stehen zwischen dem Endpunkt der Beschleunigung und dem unvermeidlichen Rückweg zum Ausganspunkt der Bewegung. Genau im toten Punkt greift man beherzt zu und hat so den geringst möglichen Pendelschwung auszugleichen. Bei weiten Deadpoints kann man in der Regel nicht mehr zum Startpunkt zurückkehren, sondern geht all-in und landet bei Misslingen im Seil/auf der Matte.

Jedoch setzt man Deadpoints auch oft bei Zügen ein, die theoretisch in Reichweite liegen um Kraft zu sparen. Eine insgesamt dynamische Bewegungsweise ist gegenüber einer rein statischen meist effizienter, aber dazu an anderer Stelle mehr.

Ein Dyno (Kurzform für Dynamo) ist ein richtiger Sprung. Man stellt sich üblicherweise einen gewaltigen Zug zum nächsten Griff vor, bei dem Hände und Füße zeitgleich durch die Luft schweben und dann mit einem atemberaubenden Pendelschwung am Zielgriff abgefangen werden. Der wohl bekannteste Dyno befindet sich in Chris Sharma´s Erstbegehung „Es Pontas“ 9b.

Der Übergang zum Deadpoint ist aber fließend und Dynos können auch sehr viel kleiner ausfallen, sodass die Füße beispielsweise stehen bleiben. Ich würde den Begriff Dyno benutzen, sobald beide Hände gewollt den Startgriff verlassen um den Zielgriff zu packen. Vor allem im Englischen wird der Begriff Dyno aber auch für Deadpoints synonym verwendet.

3 Tipp´s um Deadpoints zu dominieren

Die 3 Tipp´s in Aktion in Civil Disobedience 9, Frankenjura seht ihr vorgetanzt von Andi hier im Video

 

  1. Rantasten

„Der verdammte Griff ist sauweit weg und dynamisch klettern ist eh scheiße. Da tue ich mir nur weh… Wenn ich so groß wäre, könnte ich das auch…“

Die Gedanken hinter den angespannten Gesichtern meiner Kursteilnehmer, wenn ich ihnen dynamisch ihre nächste Herausforderung vortanze á la ein Boulder mit Deadpoint.

Anstatt gleich mit Angst im Bauch und verkrampften Bewegungen nach dem Zielgriff zu patschen, kann man auch erstmal jegliche Angst und Ehrgeiz fahren lassen und sich an den Deadpoint herantasten. Dazu entspannt man sich zu allererst und analysiert dann die Ausgangsposition und Bewegung.

Um die Bewegung zu lernen, probiert man dann einfach ein paar mal wie nahe die Hand in Reichweite des Zielgriffs kommt ohne ihn festzuhalten. Als Nächstes kann man dann versuchen den Griff der Begierde zu berühren und nach ein paar Versuchen hält man das verdammte Ding dann tatsächlich fest.

Jetzt das Ganze von unten…

  1. Zielgriff untersuchen

Ein weiterer guter Ansatz um schwierige Deadpoints zu erleichtern, ist es den Zielgriff zu untersuchen. Dabei erfährt man unter anderem, wo der Griff am besten ist (insbesondere am Fels nicht immer offensichtlich) und die optimale Fingerwinkelstellung (offen oder halb aufgestellt…).

Dazu begibt man sich, wenn möglich in die Körperposition in der man später tatsächlich zugreift und übt den Ablauf ein um den Griff zu fixieren. Manchmal geht das aus dem Seil sitzend, in der Boulderhalle mit Hilfe anderer Griffe/Tritte oder auch durch Powerspotten (Spotter hält Gewicht des Kletternden um Körperposition zu fixieren). Kreativität ist hier gefragt.

Als Sahnehäubchen kann man dann noch die Augen schließen und die Bewegung des Zupackens noch ein paar mal zusätzlich ohne Sichtkontakt verinnerlichen.

  1. Über´s Ziel hinausschießen

Die Bewegung ist klar und der Zielgriff genau markiert und eingeprägt, aber man ist anscheinend doch zu kurz…? Hier hilft ein kleines Gedankenspiel: Anstatt den gottvermaledeiten Griff mental und visuell zu fixieren, löst man sich einfach davon und zielt ein paar Zentimeter (circa 5cm oder mehr) darüber. Es ist immer wieder schön zu sehen, welchen Unterschied dieser Trick bei weiten Zügen ausmacht.

Viel Spaß beim Ausprobieren und Trainieren. Und wer in ein paar Jahren etwas auf seine Dynos und Deadpoints hält, sollte sich mal in der immer noch nur einmal wiederholten Route „Es Pontas“ versuchen.

Hast du noch mehr gute Tipp´s? Schreibe einen Kommentar.

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