Klettern in Norwegen – Roadtrip zu den Hotspots Teil 2

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Welcome back! Unsere zwei aufrechten Recken Markus und Andi haben sich bereits durch beinahe halb Skandinavien gekämpft. Über ihre glorreichen Questen kannst du in Teil 1 der Geschichte nachlesen. Siehe nun, wie es weiter geht.

Der Regen gab für ein paar Tage auf und wir düsten in´s Klettergebiet Beachen bei Stryn.

Stryn

Kletterbilder haben wir leider keine gemacht, aber hier ein paar Eindrücke der dramatischen Landschaft:

An den Ort an sich kann ich mich ehrlich gesagt gar nicht mehr erinnern. Wir schlugen unser Lager auf einem lauschigen Campingplatz etwas oberhalb auf. Wir frühstückten mit Blick auf Wasserfälle und Gletscher.

Kletterspot: Beachen

Ein von eher lokaler Bedeutung am Wasser gelegener Fels. Mehrere Sektoren reihen sich oberhalb der Straße mit Blick aufs Wasser nebeneinander. An manchen Tagen war der Fels unsäglich rutschig, sodass an Klettern nicht zu denken war. Einen Grund dafür konnten wir trotz intensiven Kopfzerbrechens nicht ausmachen. Ebenso sind einige Routen etwas sandig, während andere perfekten und bombensicheren Granit an runden Strukturen versprechen. Ob Platte oder Überhang, jeweils in kurz und lang findet hier jeder etwas zu tun.

Es gibt 60 Routen zwischen 4 und 8a+. Ein paar im 5a Bereich, sehr viele 6abc´s und dann noch viel mehr im siebten Franzosengrad.

 

Routenempfehlungen

Ny tid 7b

Wunderschöne, athletische Routen an großen überhängenden Granitstrukturen. Fast zu schön um wahr zu sein.

Aloha 7b+

Lange und ausgesetzte Route. Zum Umlenker hin klemmt man nur noch jegliche Körperteile in alle möglichen Ritzen und Ecken um ja nicht abzuplatzen.

Laphroiag 7a

Guter Scotch, gute Route. Boulderproblem, Rastpunkt, Boulderproblem, Rastpunkt, Boulderproblem… Technisch und man hat zwischendrin viel zu viel Zeit zum nachdenken.

Routenliste, Topos und Bilder findet ihr hier.

 

In einer leider viel zu sandigen 7b erschütterte Markus die norwegische Fjordlandschaft mit einem markerschütternden Krachen, dass wir ungläubig seinem Knie zuordneten. Glücklicherweise war eine deutsche Ärztin vor Ort, die nach kurzen Check wieder grünes Licht gab. Als dann der Frust über die komischen Bedingungen in Aloha 7b+ und zu groß wurde, zogen wir weiter gegen Norden.

 

Kristiansund

Kletterspot: Kvitness

Die Bilder im Kletterführer versprachen geniale Kletterei. Vor Ort fanden wir uns mitten in einem Oberschicht-Neubau-Wohngebiet wieder. Der Topo wusste davon nichts und so war es schwer den nicht mehr existierenden Weg zu den Klippen am Wasser zu finden. Es war schon spät und wieder mal einer dieser Tage ohne Wind. Das bedeutet Horden mordlüsterner Mücken verspeisten uns lebendig.

Ich weiß im Nachhinein nicht, ob die Felsen objektiv wirklich so uneinladend aussehen, wie wir uns eingeredet haben. Jedoch suchten wir schnell wieder das Weite. Allerdings war kein Schlafplatz zu finden und so landeten wir auf einem viel zu teuren Campingplatz. Die Mücken hatten wohl nichts besseres zu tun und kamen mit. Sogar bis ins Zelt. Wie lieb.

Fluch nach vorne: To Hell!

 

Trondheim

Kleines Städtchen mit Campingplatz an einem Fluss. Drei Tage lang Fliegenfischer bei Frühstück und Abendessen observiert.

Sie hatten keine Erfolge zu vermelden. Fliegenfischen scheint nicht so das Wahre zu sein.

 

Kletterspot: Hell

Eine lange Wand mit kurzen Routen in mehreren Sektoren in der Nähe des Flughafens. Die Locals haben viel Arbeit und Liebe in Wegebau und Holzstege zum Sichern investiert. Es gibt sogar ein angemaltes Toilettenhäuschen im Wald mit Herz in der Tür. Der Fels ist etwas ähnliches, wie Konglomerat und alles sehr boulderlastig.

Wir starteten mit einer 6c, die schön war. Knapp verpasste ich meine erste 7b+ flash. Dann noch eine 7a und das wars auch schon. Nicht, dass wir keine Lust mehr gehabt hätten. Es ging einfach nicht. 7b´s fühlten sicher schwerer an als 7b-Boulder. Die Erfahrung blieb die gleiche bei einigen weiteren Routen, die wir probierten. Hier kommen abgesehen von ein paar normal bewerteten Klassikern nur die Harten in den Ausstiegs-Garten.

 

Routenempfehlungen:

Klassikeren 7b+

Technisch-kräftige Kletterei an Leisten. Klassiker zu recht. Gut machbar für den Grad.

Go to Hell 7a

Das habe ich mir während der vielen Versuche öfters gedacht bis ich endlich dieses Stück Fels zusammengebastelt hatte. Sieht einfach aus, ist es aber ganz und gar nicht. Vielleicht auch härter.

Routenliste, Topos und Bilder findest du hier.

Trondheim ist für Flugzeugreisende das Sprungbrett nach Flatanger in die Höhle der Höhlen. Für uns war es auch der letzte Stop vor dem gelobten Land. Mit unserem eigentlichen Ziel so nah verausgabten wir uns nicht weiter in der Hölle und schlugen nach wenigen Stunden Fahrt unser Zelt auf der Wiese unter der Hanshalleren Cave auf. Naja fast. Die ersten drei Stunden unseres Aufenthalts verbrachten wir hörbuchhörenderweise mit beschlagenen Scheiben im Golf um den Regen auszusitzen.

Aber das sollte das letzte Mal sein, dass wir an diesem Ort Regen sehen sollten. Wir waren angekommen!

 

Flatanger

Eigentlich der Name der Kommune, aber im Rest der Kletter-Welt ist Flatanger gleichbedeutend mit der Hanshalleren Cave.

flatanger klettern

Und diese Höhle liegt auf Olof´s Grundstück. Er ist auch der Betreiber des Campingplatzes, ein supernetter Kerl und wirklich bei allen Problemen hilfsbereit. Als unsere Batterie leer war aufgrund übermäßigen Musikkonsums bestand er darauf unser Gefährt über Nacht in seiner Garage zu laden genauso, wie er sich die Zeit nahm mir die Elchfamilie vor Ort zu zeigen.

Unser Zelt stand neben dem Wohnwagen von Charlotte Durif + Family und der verwirrte Typ beim Fisch filetieren, den ich nach dem WLAN-Passwort und anderen wichtigen Dingen fragte war Seb Bouín. Starke Leute überall und nette ebenso und wir mittendrin.

flatanger klettern

Kletterspot: Hanshalleren Cave

Der Vibe vor Ort war superentspannt und hatte etwas von einer liebevollen Hippiekommune. Niemand machte sich die Mühe seine sieben Sachen wieder mit nach unten zu schleppen oder gar seine Exen abzubauen. Vertrauen und Liebe. Jeder kletterte an jedermanns Exen und die allermeisten davon waren Petzl Spirits interessanterweise. Man geht sehr nett miteinander um und unterhält sich über seine Projekte mit ähnlich Begabten, sowie Profi-Kletterern. Und wenn man dann zu müde ist um noch weiterzumachen, läuft man nach rechts, sucht sich einen Liegeplatz und beobachtet die Profis in ihren 9abc-Projekten…

In den Seitenwänden links der eigentlichen Höhle finden sich über 64 Routen zwischen 5c und 9a. Bis einschließlich 7a gibt es 14 potentielle Projekte. Von 7a+ bis 7c+ gibt es 22 Routen und von 8a bis 8c+ gibt es viele in jedem Grad. In der eigentlichen Höhle kommt man erst ab 8a und aufwärts zum klettern.

Angrenzend an den Campingplatz gibt es noch weitere Wände, die sich gradmäßig sehr viel freundlicher zeigen. Hier gibt es sogar ein paar Mehrseillängen im 6a-Bereich.

Routenempfehlungen

Kakkestyket 7a

Hört sich furchtbar an, aber bedeutet auf Deutsch „Stück Kuchen“. Lange Traverse entlang eines Risses unter dem großem Dach. Plötzlich wird der Riss unterbrochen und eine Kombination aus Faust- und Handklemmern haben mein Sportkletterdenken schwer aus dem Konzept gebracht. Immernoch stolz auf den Onsight per Faustklemmer, der beim Abrutschen plötzlich hielt.

ausdauer klettern

Ingwe 7a+

Schöne Plattenkletterei. Diffizil und pumpig.

Andre Hoyre 7c+

Drei Boulder mit guten Rests dazwischen. Unbedingt den vorvorletzten Haken wieder ausklippen. Bei einem Sturz von ganz oben fädelt man sonst in die Exe ein.

 

Leider habe ich nicht viele Klettertage hier am Ende unserer Reise gehabt, da ich mich in Andre Hoyre 7c+ verletzt habe. Unerwartet beim Klippen des Umlenkers irgendwie abgerutscht, die vorletzte Exe eingefädelt und kopfüber mit der Kniekehle gebremst. So kam es, dass die Rückseite meines Beins für die nächste Woche zu einer einzigen suppenden Wunde wurde. Markus kletterte noch einige 7c´s und ist bis heute schwer begeistert von der Hanshalleren Cave.

Und für mich? Ich habe das Fischen für mich entdeckt. Und obwohl ich noch nie vorher geangelt habe, lernte ich schnell und versorgte bald unsere gesamte 5-köpfige Camping-Gang all-abendlich mit gegrillten Makrelen und Kabeljau.

Als ich mein Bein wieder genügend bewegen konnte, kam auch gleich die Gier zurück. Ich war ja unglaublich ausgeruht und müsste nach dem Training der letzten Wochen ja superstark sein.

So versuchte ich noch meinen immernoch ausstehenden 7b+ Onsight endlich zu schaffen. Nix. Ich konnte die Route überhaupt nicht klettern, auch nicht nach vergeblichem Ausbouldern. Danach kletterte ich noch eine 7a, die zu einem der härtesten Pumpkämpfe meiner Karriere gehört. Die Erschöpfung eines langen Trips hatte sich wohl jetzt den Platz eingeräumt, den ich ihr vorher nicht zugestanden hatte.

So begab es sich also, dass wir mit unserer Zeit am Ende waren, den Golf sattelten und die Heimreise antraten. Diesmal nahmen wir die Fähre, was ich finanziell und zeitlich nur empfehlen kann. Unsere letzte Nacht verbrachten wir im strömenden Regen im Schlafsack an die Seitenwand eines Rastplatz-Toilettenhäuschens gekuschelt. Irgendwann setzte ich Markus in Würzburg ab, wir verabschiedeten uns herzlich und so düste ich dann selbst nach Hause…

Ich fing wieder das Studieren an und Markus eröffnete inspiriert die fantastische Boulderhalle LöBloc.

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Kykelli 7b und links davon die 7c(+) mit gleichem Einstieg wie Kykelli
…all die 7a/b…

Stone Love 8a

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