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Deep Water Soloing und Psicobloc – Abenteuer über dem Wasser

Deep Water Soloing ist die Sommerdisziplin des Kletterns und jeder, der sein Herz ans Klettern verloren hat, kann die Verlockung von Sonne, organgenem Fels und Meeresrauschen bestens nachvollziehen. In diesem Artikel erwartet dich eine kurze Einführung zum Thema Deep Water Soloing (DWS), die beliebtesten Spots und du erfährst welche Ausrüstung du brauchst.

Glenn beim Deep Water Soloing in Mallorca.

Glenn im Ultra-Klassiker Bisexual 7a, Cala Varquez, Mallorca

 

Deep Water Soloing, oder von den Spaniern auch Psicobloc genannt, ist Free-Solo Klettern ohne Netz und doppelten Boden. Auf sich allein gestellt, das eigene Schicksal hängt an den Fingerspitzen. Die totale Freiheit, eins sein mit sich selbst. Die eine große Herausforderung mit dem ultimativen Einsatz…

Mit einer Einschränkung:

Wenn man abrutscht, landet man in erfrischenden Wasser und kann sich auf den nächsten Versuch freuen.

 

Was ist Deep Water Soloing?

Im Prinzip handelt es sich um Sportklettern über offenem Wasser ohne jegliches Sicherungsmaterial, wie Seile und Exen. Offenes Wasser ist dabei ein schwankender Begriff. Hellblaues, mediterranes Meer verbinden wohl die meisten mit diesem Sport. Allerdings wird DWS überall auf der Welt auch über Flüssen, Seen und sogar Schwimmbecken praktiziert. Als letzte Weiterentwicklung initiierte Chris Sharma in den USA kürzlich eine Serie von Psicobloc-Wettkämpfen.

Lebensgefährlich? Deine eigene Entscheidung. Etablierte Routen in den diversen DWS-Spots der Welt reichen von spaßigen 5m-Routen im 5. Grad bis zu sehr ernsten 20+m Psycho-Ausdauerhämmern im 10. Grad und darüber. Außerdem gibt es alles dazwischen, jeweils mit und ohne Felsen im Wasser.

Jeder ist für sich selbst verantwortlich und sollte sich vorher genau überlegen, was persönlich verantwortbar ist. Mit den im Artikel Sicherheit und Taktik beim DWS aufgeführten Tipps, ist man allerdings gut vorbereitet und minimiert das Risiko.

 

Wie funktioniert Deep Water Soloing?

Analog zum Sportklettern arbeitet man sich in dieser Disziplin in freier Kletterei vom Fuß einer Wand zum Ausstieg. Ob man dabei den Einstieg per Boot, Abseilen oder ganz puristisch aus dem Wasser wählt, hängt immer von der Situation ab. Es ist eine ganz besondere Erfahrung sich selbst zu vermitteln, dass man sicher ist, obwohl ein weiter Sturz bevorsteht. Vor allem zu Beginn ist das DWS noch viel gruseliger als Sportklettern. Nach ein paar Tagen Erfahrung und vielen feucht-fröhlichen Stürzen wird man in der Regel Herr der Sturzangst.

An diesem Punkt eröffnet sich eine ganz neue Welt des Abenteuers und ungetrübter Kletterfreude über glitzerndem Meer an wunderschönen Orten.

Alles was man braucht sind Mut, Kletterschuhe und ein paar Chalkbags, obwohl aus eigener Erfahrung Manche nicht mal das brauchen, geschweige denn Badebekleidung. Liquidchalk ist zusätzlich zum Chalkbeutel sehr hilfreich. Mehr zum Theman Ausrüstung findest du weiter unten.

 

Die beliebtesten Spots

Zu den bekanntesten Spots und Klippen für das Deep Water Soloing zählen die sonnige Küste Mallorcas, Vietnam, Thailand und überraschenderweise UK im kalten in Atlantik.

Rechte Psicobloc-Wand in Cala Varquez

Mallorca ist sicherlich der beste Ort für den sonnenhungrigen Psicobloc-Aspiranten. Die Landschaft ist traumhaft, das Essen lecker und das Meer warm. Wieder erwarten gibt es allerdings sogar in Deutschland das ein oder andere bekletterbare Stücken Fels über teifem Wasser. Eine umfassende Aufzählung der bekanntesten Spots erwartet dich im Artikel Deep Water Soloing in Deutschland und rund um die Welt.

Welche Ausrüstung braucht man beim Deep Water Soloing?

Eine besondere Disziplin braucht auch erstklassige Ausrüstung. So könnte man werben, aber tatsächlich ist der Materialbedarf wirklich überschaubar. In diesem Abschnitt werfen wir einen Blick darauf, was sinnvoll ist einzupacken und was man sonst noch brauchen könnte.

An erster Stelle steht ein Drybag. Diesen kann man schon beim Material- und Essenstransport zum Fels nutzen und anschließend einsetzen um Chalk und Kamera sicher zur Homebase zu kriegen. Drybags werden in allen Größen und Ausführungen für jeden Bedarf und Geschmack angeboten. Es gibt sie gleich mit Rucksackträgern, sodass man sich eine weitere Tasche sparen kann oder man beschränkt sich auf das nötigste und plant nur genug Platz für Chalk, Kamera und Handtuch ein.

Profi-Tipp: Nur Drybags mit extra Abriebfestigkeit, wie z. B. dieser hier mit Tragesystem* machen wirklich Sinn. Fels kann sehr spitz und scharf sein.

Unbedingt mitnehmen sollte man zudem ein Handtuch, um sich zwischen den heldenhaften Versuchen abzutrocken. So kann man viel Zeit sparen. Naturgemäß sind plüschige Wohlfühlhandtücher leider eher sperrig im Transport und wenn einmal nass, bleiben sie auch erstmal nass. Daher die Empfehlung: Microfaser-Handtuch*. Diese gibt es auch in allen Größen, aber sie überschreiten zusammengefaltet niemals das Volumen eines Taschenbuchs.

Chalk

Das Thema Chalk ist etwas schwieriger. Es gibt hier mehrere mögliche Varianten:

Zuerst kommt einem in den Sinn einfach mehrere Chalkbags anzuliefern und dann zwischen den Versuchen durchzuwechseln. Aber wer hat schon mehrere Chalkbags, die er dann auch noch ins Salzwasser werfen will…

Bewährt hat sich der Einsatz von kleinen Brotzeittüten. Diese steckt man in den leeren Chalkbag, und stülpt die Ränder ein Stück weit über die üblicherweise etwas steifere Öffnung des Beutels. Nun schüttet man ein Prise Zauberpulver (Chalk nach Wahl) hinein und wechselt nach dem nächsten spritzigen Missgeschick einfach die Tüte durch. Umwelttechnisch aber leider nicht so geil, vor allem wenn sie im Meer umhertreiben. Als Mehrweg-Alternative kann man sich eine handelsübliche Badekappe um die Hüfte binden und diese analog zu den Plastiktüten verwendet.

Je nach Vorliebe hat es sich eingebürgert vor dem Start in die Vertikale Liquidchalk* zu benutzen – verfeinert mit einen beherzten Griff in den deponierten Chalkbag. Die Tube steckt man sich dann in die Tasche der Boardshorts, falls man sie mitnehmen möchte und los geht’s. Zusätzlich kann man noch einen Fleck der Oberschenkel oder Unterarme mit flüssigem Chalk einreiben um sich im unterwegs schnell die Fingerspitzen trocknen zu können.

Sicherheitszubehör

Zu guter Letzt sollte man immer auf alle Eventualitäten vorbereitet sein und bestenfalls eine Strickleiter mit 1-2 Schlingen und Karabiner dabeihaben. Diese bringt man am vorher definierten Ausstiegspunkt an und vereinfacht bzw. ermöglicht es dem Wasser zu entkommen.

Eine Strickleiter für eine nicht permanente Anbringung bedeutet einen erheblichen Schleppaufwand.

Als schnelle Lösung knotet man ein paar Schlaufen in 5 Meter einer 10 mm Reepschnur oder alternativ ein Stück altes Kletterseil. Je nach Situation kann man so eine provisorische Leiter z. B. an einer Sanduhr oder einem Felszacken anbringen.

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